Der unsichtbare Faktor, der jede Sanierung scheitern lassen kann

Was haben Executive Coaches, Insolvenzberater und Wirtschaftsprüfer gemeinsam?

Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten Blick: Eine Zielgruppe, die in Schieflage geraten ist.

Und einen Punkt, an dem sich alle drei Professionen treffen. Nämlich dann, wenn das Unternehmen, die Bilanz, das „Außen“ in der Schieflage ist. Und es Menschen sind, die das bewältigen müssen.

Menschen sind keine Maschinen. Ihr Unternehmen hat für sie eine echte Bedeutung. Für sie steht viel auf dem Spiel.
Das erzeugt Stress. Schlaflose, sorgenvolle Nächte. Vielleicht Rückenschmerzen, vielleicht hohen Blutdruck. Schlechtere Konzentration.

Genau in der Phase, in der eigentlich Höchstleistung gefragt wäre.

Dieser innere Zustand trifft dann auf die Zahlenwelt. Auf Fristen, Paragraphen, auf unzählige Dinge, die plötzlich alle gleichzeitig kommen. Für den Beratungsprozess wäre es deutlich einfacher, die Klienten wären in diesem Moment rational funktionierende Einheiten. Sind sie aber nicht.

Manchmal kommen die Klienten deshalb gar nicht erst. Eine Beratung aufzusuchen heißt, sich einzugestehen: „Ich bin mit meinem Latein am Ende.“ Für Unternehmer, die immer stark sein müssen, ist das schambehaftet. Lieber wird der Druck ignoriert. Oder schöngeredet. Bis es zu spät ist.

Genau darüber habe ich letzte Woche beim Beraterstammtisch der Planer & Kollegen GmbH in Landsberg gesprochen. Was innerlich passiert, wenn Klienten in einer solchen Krise stecken. Meine Kernbotschaft: Nicht der Klient ist „schwierig“. Er ist ein Mensch in einer Extremsituation. Wer das versteht, kann anders kommunizieren. Und hierzu gab es dann auch ein paar Tipps für die Kollegen vom Steuer- und Insolvenzfach.

In den Gesprächen danach haben mir mehrere Berater berichtet, sie kennen das Phänomen gut, dass Klienten den Ernst der Lage nicht erkennen. Den psychologischen Mechanismus dahinter zu verstehen, war für sie ein Aha-Moment.

Die zweite Botschaft meines Vortrags: Es ist ganz normal, in einer Krise schlechter denken und entscheiden zu können. Das ist keine Schwäche, sondern eine natürliche Reaktion des Organismus auf Bedrohung.

Das hat auch soziale Folgen. Die Anspannung sucht sich beispielsweise oft ein Ventil nach außen, in Konflikten mit dem Team, mit Geschäftspartnern, in der Familie. Konflikte, die zusätzlich lähmen, obwohl gerade jetzt Klarheit und Zusammenhalt gebraucht würde. Und je mehr jemand glaubt, Verletzlichkeit nach außen nicht zeigen zu dürfen, desto eher entladen sich solche Spannungen genau dort.

Das „Du musst stark sein“ kenne ich gut. Sowohl aus meiner Familiengeschichte, wie auch aus den vielen Gesprächen, Begegnungen und Erfahrungen mit starken, kompetenten Personen im Laufe meiner Karriere. Genau deswegen ist es mir wichtig, dieses Thema anzusprechen. Weil ich weiß, wie sehr dieser Mechanismus Menschen erfolgreich macht, sie aber auch davon abhält, sich rechtzeitig Support zu holen.

Sonst entwickelt sich das Ganze zu einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis.

Meine Botschaft Nr. 3: Professionelles Coaching kann ein ergänzender Raum zur betriebswirtschaftlichen Beratung sein, um solche Blockaden zu lösen. Und damit erst in die Lage zu kommen, "rational" zu entscheiden.

Falls Sie also selbst gerade merken, dass die Zahlen klar sind, Sie aber im „Menschlichen“ feststecken: melden Sie sich.
Ein erstes Gespräch zeigt oft schon den Weg.