Verlässlichkeit ist keine Frage des Kalenders
Je höher die Führungsebene, desto voller der Kalender. Das stimmt. Aber es erklärt nicht, warum manche Inhaber und Führungskräfte trotzdem das Vertrauen ihres Umfelds halten und andere es still verlieren.
Vertrauen fußt auf Vertrauenswürdigkeit. Und weil man Vertrauen immer im Voraus gibt, ohne zu wissen ob es sich auszahlt, beobachten wir Menschen - und insbesondere die Leitungsebene - intuitiv sehr genau. Vertrauenswürdigkeit machen wir an Verhalten fest: Ist jemand verlässlich? Transparent? Fair? Integer? Ist echter Kontakt spürbar?
Ich kenne das aus meiner eigenen Zeit. Ich habe selbst geführt. Ich habe eng mit dem Top Management zusammengearbeitet. Wer eine neue Führungsrolle übernimmt, hat Vertrauensbildung meist ziemlich weit oben auf der Liste. Man gibt sich Mühe, man ist präsent. Aber läuft der Alltag erst einmal, ist man zwischen Operative, strategischen Aufgaben und Politik gefangen. Und die Aufmerksamkeit lässt nach.
Ohne klare Haltung, wie man den eigenen Führungsalltag ausrichtet, kann Vertrauen dann schnell und leise kaputtgehen.
Im schlimmsten Fall merken Sie es nicht einmal.
Was meine ich mit Haltung? Zwei Beispiele aus meiner Praxis:
Führungskraft A ist ständig unterwegs, hat viel um die Ohren. Sie ruft dem Team im Vorbeigehen zu, sie werde um 15 Uhr da sein, dann könne man alles besprechen. 15 Uhr, niemand da. Dringende Informationen fürs Team vergisst sie weiterzugeben, was später hintenrum heraus kommt. Kein böser Wille, aber weil es sich stetig wiederholt, sinkt das Vertrauen im betroffenen Umfeld. Der Frust steigt. Die Organisation beginnt, sich Informationswege um die Führungskraft herum zu bauen.
Führungskraft B hat ebenfalls einen randvollen Kalender, Termine werden ständig jongliert. Trotzdem wissen Team und Kollegen genau, woran sie sind. Bei persönlichen Notfällen ist B immer ansprechbar. Zugesagte Dinge werden geliefert. Personalgespräche beginnen pünktlich. Wenn ein Termin nicht zu halten ist, bekommen die Leute rechtzeitig Bescheid. Das klingt nach wenig. Aber es verändert alles.
Zwei Menschen, zwei volle Kalender. Der Unterschied ist keine Frage der Zeit, sondern eine persönliche Entscheidung.
Ich behaupte: Verlässlichkeit ist eine der günstigsten Formen der Vertrauensbildung, die es gibt. Denn abgesehen von wenigen Ausnahmen hat man es zu einem sehr großen Teil selbst in der Hand. Dafür braucht man keine KI und keine Kalender-App, sondern Prinzipien dafür, wann einem was wichtig ist.
In meiner täglichen Arbeit erlebe ich, wie genau das den Unterschied macht, ob Vorgesetzte langfristig das Vertrauen ihres Umfelds halten oder ob sie es verlieren. Und was daraus erwächst.
3 Coachingfragen für Sie zum Mitnehmen:
- Wo erleben Sie echte Verlässlichkeit, und wo fehlt Sie?
- Welches konkrete Verhalten würde Ihr Umfeld nennen, wenn es gefragt wird, wie verlässlich Sie sind?
- Und was könnten Sie morgen einfach mal anders machen?
Sie möchten wissen, wo Sie sich im Alltag entlasten können, ohne dass die Beziehung zu Ihrem Team darunter leidet?
Schreiben Sie mir, und wir schauen gemeinsam drauf.