3 Tipps für mehr natürliche Autorität als junge Führungskraft

„Es ist schon komisch, wenn ich an den Projektbesprechungen teilnehme. Es gibt viel zu tun und ich hätte erwartet, dass die Führungskräfte in meinem Team von sich aus aktiv zur Lösung beitragen, aber keiner meldet sich. Ich muss dann die einzelnen Aufgaben verteilen. Dabei fühle ich mich ziemlich unwohl und unsicher.“ Das sagte mir kürzlich eine junge Projektmanagerin.

Das ist ein typisches Erlebnis für junge Führungskräfte. Sie übernehmen zum ersten Mal Verantwortung und sollen plötzlich erfahrenere oder höhergestellte Kollegen führen. Dabei denken Sie vielleicht: „Ich bin doch noch so jung. Was, wenn die denken, ich habe keine Ahnung?“ Oder: „Ich bin so erzogen worden, dass man Älteren mit Respekt begegnet. Wie soll ich denen jetzt etwas sagen?“

Das ist ganz normal. Diese Zweifel sind meistens unbegründet. Fragen Sie sich doch mal, wo Sie diese negative Kritik wirklich gehört haben. Am Anfang einer Führungskarriere gibt es viele Herausforderungen. Ihnen fehlt vielleicht noch das Fachwissen oder Sie kennen sich in der Firmenkultur noch nicht so gut aus. Die „alten Hasen“ haben da natürlich einen Vorteil, sie kennen alle Tricks und Kniffe. Und Sie? Sie fühlen sich vielleicht noch nicht ernst genug genommen. Vor allem aber steht man sich oft selbst ziemlich im Weg.

Innere Kritiker und Zweifel können Sie lähmen. Besonders, wenn Sie eher dazu neigen, Respekt vor Autoritäten zu haben oder Perfektionistin sind. Beobachten Sie sich mal selbst: Wenn Sie eine Entscheidung treffen müssen, welche Gedanken schießen Ihnen dann durch den Kopf? Was fürchten Sie? Und ist das wirklich realistisch?

Die gute Nachricht ist: Die meisten Menschen folgen gerne anderen, wenn sie sie für kompetent halten und ihnen vertrauen. Das ist das Prinzip der natürlichen Autorität. Und die haben Sie auch!

Natürliche Autorität kann man weder leihen noch kaufen. Sie wird Ihnen von Anderen zugeschrieben. Und: Sie können sie durch Ihr Verhalten stärken. Mit den folgenden Tipps zeige ich Ihnen, wie.

 

 

Tipp 1: Kompetenz demonstrieren – mit Ihren Möglichkeiten

Als Neuling ist es ganz normal, sich manchmal unsicher zu fühlen, besonders wenn Sie mit erfahrenen Expert:innen zusammenarbeiten. Sich mit ihnen zu vergleichen ist der falsche Ansatz. Konzentrieren Sie sich lieber darauf, was Sie gut können, und schließen Sie Ihre Wissenslücken dabei geschickt.

  • Finden Sie die Schlüsselspieler:innen für Ihr Projekt. Das kann entscheidend für den Projekterfolg sein und es zeigt, dass Sie verstanden haben, worauf es im Management ankommt. Es ist klug, die Koryphäen im Team zu haben, aber Sie müssen dabei nicht alles Fachliche verstehen.
  • Seien Sie neugierig und zeigen Sie Lernbereitschaft: Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Zeigen Sie echtes Interesse an der Meinung Ihrer erfahrenen Kolleg:innen. Wenn Sie zugeben, dass Sie etwas nicht wissen, wirkt das oft viel besser, als wenn Sie versuchen, etwas vorzutäuschen. Aber Vorsicht: Der Grat zwischen Offenheit und Selbstsabotage kann schmal sein. Platzen Sie nicht bei jeder Gelegenheit damit heraus, dass Sie etwas nicht wissen.
  • Behalten Sie den Überblick: Ihre Stakeholder wollen wissen, was bei Ihrem Projekt läuft. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Aspekte und zeigen Sie, dass Sie die Kontrolle haben. Die wesentlichen Fachtermini sollten Sie in jedem Falle drauf haben.

Bei all dem sollten Sie nicht vergessen, dass Ihre bisherigen Kompetenzen dazu geführt haben, dass Ihnen das Projekt anvertraut wurde. Auch wenn Sie nicht alles im Detail wissen, haben Sie Stärken. Vielleicht sind Sie ein Organisationstalent und schaffen Ordnung im Chaos. Vielleicht haben Sie eine besondere Gabe, Menschen zu motivieren und ein Team zusammenzuschweißen. Oder Sie haben eine besondere Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu durchschauen. Überlegen Sie sich mal, mit welchen Ihrer Fähigkeiten Sie das Projekt bereichern können.

 

Tipp 2: Nicht lange nachdenken, sondern selbstbewusst auftreten

Wenn Sie Menschen beobachten, die von Natur aus eine starke Autorität ausstrahlen, werden Sie feststellen: Sie geben ganz selbstverständlich den Ton an, ohne groß zu erklären warum. Sie sind selbstbewusst, aber nicht arrogant. Sie bleiben freundlich und respektvoll. Man vertraut ihnen einfach, weil sie zu wissen scheinen, was sie tun. Dabei wissen sie auch nicht über alles Bescheid. Was Sie daraus lernen können, ist, dass man sich nicht zu viele Gedanken machen sollte, ob man sich etwas zutrauen sollte. Fangen Sie einfach an.

  • Trauen Sie sich, die Initiative zu ergreifen. Teilen Sie Aufgaben zu und sagen Sie Ihre Meinung, ohne sich zu rechtfertigen oder kleinzumachen. Fragen Sie nicht erst, ob es okay ist – machen Sie einfach! Sie werden sehen, es ist einfacher als Sie denken.
  • Achten Sie auf Ihren Ton: Er sollte bestimmt, aber freundlich sein. Bitten oder fragen Sie Ihre Kolleg:innen, anstatt zu befehlen.
  • Bleiben Sie beharrlich dran, wenn es um wichtige Themen geht. Und lassen Sie sich nicht beim ersten Gegenwid verunsichern. Zeigen Sie, dass Sie Verantwortung übernehmen wollen.
  • Treffen Sie Entscheidungen selbstbewusst, auch wenn Sie nicht alles überblicken. Im Zweifel können Sie sich immer noch entschuldigen. Bei wichtigen Themen holen Sie sich vorher Rat bei den Expert:innen.
  • Wichtige Themen bedürfen oft der Zustimmung höherer Instanzen. Nehmen Sie sich Zeit und bereiten Sie Präsentationen sehr sorgfältig vor. In den Terminen mit den Gremien zeigen Sie auch damit Ihr hohes Engagement für das Projekt.

 

Tipp 3: Gelassen bleiben

Menschen, die innere Ruhe ausstrahlen und immer einen kühlen Kopf bewahren, sind echte Vorbilder. Das liegt oft an ihrer Erfahrung, mit der sie überraschende Situationen schneller erfassen und bewerten können. Sie haben vielleicht nicht so viel Erfahrung wie Ihre älteren Kolleg:innen. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, sich von Überraschungen nicht zu sehr aus der Bahn werfen zu lassen.

  • Eine gute Strategie ist es, sich einen „Wenn-Dann-Plan“ zurechtzulegen. Überlegen Sie sich: Was macht Sie nervös? Wie möchten Sie dann reagieren? Und was ist das Schlimmste, was passieren könnte? Wenn Sie sich diese Fragen im Voraus beantworten, sind Sie besser vorbereitet.
  • Sehr gut funktioniert auch die Strategie, sich kurzfristig aus der Situation herauszuziehen, wenn es brenzlig wird. Sagen Sie zum Beispiel: „Darüber muss ich kurz nachdenken.“ Oder atmen Sie einfach ein paar Mal tief durch. Das gibt Ihnen Zeit, Ihre Gedanken zu ordnen.
  • Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Beschäftigen Sie sich intensiv mit Ihrem Projekt. Sowohl mit den fachlichen als auch mit den menschlichen Aspekten. Welche Risiken gibt es? Wer unterstützt Sie und wer könnte Schwierigkeiten machen? Je besser Sie vorbereitet sind, desto sicherer werden Sie auftreten.

 

Kennen Sie dieses Gefühl aus Ihrem eigenen Führungsalltag: erfahrenere Kolleg:innen führen zu sollen und sich dabei innerlich klein zu fühlen? Wenn Sie mehr brauchen oder die Situation gerade vertrackt ist, schreiben Sie mir gerne.