Sanierung braucht einen klaren Kopf: Wenn persönliche Entlastung den Weg ebnet
Vortrag bei Planer & Kollegen in Landsberg am 9. Juli 2026
Was haben Executive Coaches, Insolvenzberater und Wirtschaftsprüfer gemeinsam?
Auf den ersten Blick wenig. Auf den zweiten Blick teilen sie eine entscheidende Gemeinsamkeit: Ihre Zielgruppe, nämlich Inhaberinnen und Inhaber in einer Schieflage. Und an einem Punkt treffen sich diese Professionen: Nämlich dann, wenn das Unternehmen, die Bilanz, die Zahlen, das „Außen“ in die Krise geraten. Doch es sind die Menschen, die das bewältigen müssen.
Menschen sind keine Maschinen.
Ihr Unternehmen hat für die Gründer und Inhaber eine existenzielle Bedeutung. Es steht viel auf dem Spiel. Das erzeugt enormen Stress: schlaflose Nächte, körperliche Symptome wie Rückenschmerzen oder Bluthochdruck, nachlassende Konzentration. Ausgerechnet in der Phase, in der höchste kognitive Leistungsfähigkeit gefragt wäre.
Dieser innere Zustand trifft dann auf die harte Zahlenwelt. Auf Fristen, Paragraphen und eine Flut an Aufgaben, die scheinbar alle gleichzeitig erledigt werden müssen. Für den Beratungsprozess wäre es einfacher, wenn Klienten in diesem Moment rational funktionierende Einheiten wären. Doch das sind sie nicht.
Warum Stärke zum Risiko wird
Manchmal suchen Klienten deshalb erst gar nicht rechtzeitig Hilfe. Eine Beratung aufzusuchen, bedeutet oft das Eingeständnis: „Ich bin mit meinem Latein am Ende.“ Für Unternehmer, die gelernt haben, immer stark zu sein, ist das mit Scham besetzt. Lieber wird der Druck ignoriert oder schöngeredet – bis es zu spät ist.
Genau darüber habe ich letzte Woche beim Beraterstammtisch der Planer & Kollegen GmbH in Landsberg gesprochen. Kern meines Vortrags: Was innerlich passiert, wenn Klienten in einer solchen Krise stecken. Denn nicht der Klient ist „schwierig“. Er ist ein Mensch in einer Extremsituation. Wer das versteht, kann anders mit Klienten umgehen.
In den Gesprächen danach bestätigten mir mehrere Berater dieses Phänomen: Viele ihrer Klienten erkennen den Ernst der Lage scheinbar nicht. Den psychologischen Mechanismus dahinter zu verstehen, war für sie ein echter Aha-Moment.
Der biologische Blackout: Warum das Gehirn in der Krise streikt
Es ist völlig normal, in einer Krise schlechter denken und entscheiden zu können. Das ist keine Charakterschwäche, sondern eine natürliche physiologische Reaktion des Organismus auf eine wahrgenommene Bedrohung.
Das hat auch soziale Folgen. Die innere Anspannung sucht sich oft ein Ventil nach außen – in Konflikten mit dem Team, mit Geschäftspartnern oder in der Familie. Konflikte, die zusätzlich lähmen, obwohl gerade jetzt Klarheit und Zusammenhalt entscheidend wären. Dazu kommt: Je mehr jemand glaubt, Verletzlichkeit nach außen nicht zeigen zu dürfen, desto eher entladen sich solche Spannungen im privaten oder beruflichen Umfeld.
Das „Du musst stark sein“-Prinzip
Von jeher wird von Menschen in Führung erwartet, dass sie einem Rollenbild entsprechen, das stets Stärke ausstrahlt. Dass sie immer wissen wo es lang geht. Das sehe ich aus der Erfahrung und ich vielen Gesprächen mit starken, kompetenten Persönlichkeiten. In gewisser Weise sorgt dieser Mechanismus dafür, dass Menschen in diesem Modus erfolgreich werden. Auf der anderen Seite hält es sie aber auch davon ab, rechtzeitig zu erkennen, wann sie Unterstützung benötigen und sich diese dann auch zu besorgen.
So entwickelt sich ein sich selbst verstärkender Teufelskreis aus Überlastung, Scham und noch mehr "Zähne zusammenbeißen", zusammen mit Konflikten und Versäumnissen, die aus der Überlastung resultieren.

Eine persönliche Entlastungsstrategie ebnet den Weg
Die fachliche Sanierung liegt in den Händen von Ihnen als Inhaber oder Inhaberin und Ihren Beratern. Doch wenn die persönliche Belastung zu groß wird, kann selbst der klügste Plan ins Stocken geraten. Dann kann eine Sparringspartnerin eine gute Ergänzung sein um Wege aus der Belastung zu finden und die eigene Handlungsfähigkeit schneller zurückzugewinnen.
Denn wenn der Kopf wieder frei ist, gehen die notwendigen Schritte zügiger und konsequenter voran.
Falls Sie selbst gerade merken, dass die Zahlen klar sind, Sie aber im „Menschlichen“ feststecken: Melden Sie sich. Ein erstes Gespräch zeigt oft schon den Weg.