Dauerstress: Warnsignale erkennen und rechtzeitig gegensteuern

Angenommen, Sie fahren gerade auf der Autobahn, als die Warnleuchte für das Kühlwasser aufleuchtet. Erst sind Sie erschrocken. Und dann überlegen Sie. Sie riskieren möglicherweise einen Motorschaden, wenn Sie jetzt nicht bei der nächsten Gelegenheit abfahren und stehen bleiben. Andererseits haben Sie es gerade jetzt besonders eilig zu einem wirklich wichtigen Termin. Später kann man ja immer noch einen Werkstatttermin organisieren. Wie würden Sie handeln?


Nicht wenige meiner Coachees klagen über körperliche Beschwerden, die mit ihrer aktuellen Situation zusammenhängen. Was sie oft übersehen ist, dass ihr Körper längst deutliche Warnsignale aussendet, genau wie die Warnleuchten in Ihrem Auto. Aber statt anzuhalten, fahren sie weiter. Fast alle glauben, sich ein Stehenbleiben nicht leisten zu können. Sogar, dass es irgendwie zum Job „dazugehört“. Und oft ist die Hoffnung da, dass es sich nur um einen temporären Zustand handelt. „Nur noch das eine Projekt abschließen, den einen Konflikt überstehen, dann kann man durchatmen.“


👉 Beschwerden entwickeln sich meist schleichend. Beispielsweise:

  • Erst gelegentliche Kopfschmerzen, Verspannungen, Rückenprobleme
  • dazu eine kurze Zündschnur, d. h. schon Kleinigkeiten bringen dich auf die Palme
  • Ein- und Durchschlafstörungen,
  • Konzentrationsprobleme und subjektiv empfundener (evtl. sogar schon von außen angesprochener) Leistungsabfall
  • und noch kritischer: Schwindel, Ohrgeräusche, Hörstürze.

Das Fatale: Genau wenn Sie meinen, sich ein Stehenbleiben nicht leisten zu können, ist es das, was Sie weiter in die Problemzone treibt.
Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung. Auch ich bin früher immer wieder mal weitergefahren im übertragenen Sinne, um den "Laden am Laufen" zu halten.

Um zu verstehen, warum das aber so gefährlich ist, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, was im menschlichen Körper passiert.

 

Was bei Stress im Körper passiert

Dahinter steckt die „Stressachse" (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse), Ihr körpereigenes Alarmsystem. Bei Stress produziert Ihr Körper Cortisol, das Sie kurzfristig leistungsfähig macht: Es erhöht den Blutzuckerspiegel, wandelt Fettreserven in Energie um und schärft deine Aufmerksamkeit. 1)

Das System reguliert deine Energie über den Tag: Morgens fährt es hoch, um Sie fit zu machen. Bei akutem Stress schaltet es in den „Turbo-Modus". Ist die Gefahr vorbei, signalisiert der hohe Cortisolspiegel dem Gehirn, die Produktion zu drosseln. Der „Motor" kühlt ab, Entspannung tritt ein.

 

... wenn die Kühlung versagt

Bei anhaltendem Stress lernt dein Körper, dass Herunterfahren sich „nicht lohnt". Er drosselt die Cortisolproduktion nicht mehr. Er bleibt im permanenten Turbo-Modus – ohne Pause, ohne Abkühlung. Sie können nicht mehr abschalten, haben Gedankenkreisel, finden schwer in den Schlaf. Ihre Konzentration lässt nach, die Leistungsfähigkeit sinkt.

Die ständige Überhitzung erhöht u. a. dein Risiko für

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Depressionen,
  • chronische Entzündungen, Autoimmunkrankheiten
  • und ein schnelleres biologisches Altern.

...wie ein Motor, der durch Überhitzung irreparable Schäden davonträgt.


Neben all den Gefahren für die Gesundheit hat der Dauerstress einen entscheidenden Nachteil:

‼️ Sie können nicht so konzentriert und leistungsfähig sein, wie Sie es eigentlich sein müssten, um Ihre Probleme besonders in herausfordernden Lagen zu lösen.‼️

Genauso wenig, wie Sie mit einem überhitzten Motor nicht schnell und lang auf der Autobahn fahren können.

Deshalb frage ich meine Coachees auch nach ihren Belastungen, wenn es mir angebracht erscheint. Ich rate ihnen, ihre körperlichen Signale ernst zu nehmen. Gegebenenfalls helfe ich ihnen dabei, sich akut zu entlasten, während wir uns mit der Lösung ihrer komplexen Anliegen befassen. Und manchmal lege ich ihnen auch nahe, sich medizinischen Rat zu holen.

 

Was Sie konkret tun können

 

1. Hören Sie auf die Warnleuchten Ihres Körpers!

Stress ist subjektiv, doch Ihr Körper lügt nicht. Seine Signale sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil eines intelligenten Feedback-Systems.
Im Zweifelsfall fragen Sie sich doch mal: Was würde ich meinem besten Freund / meiner besten Freundin raten, die mir diese Symptome schildert? Oder ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin? Vermutlich würden Sie die heimschicken. Oft erkennen wir bei anderen schneller, was wir selbst brauchen.

 

2. Unterbrechen Sie den Kreislauf, und zwar jetzt

sobald Sie die Warnsignale erkennen. Nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern als Akt der Selbstfürsorge.
Und dabei gilt: machen Sie das, was Sie schnell und einfach umsetzen können und was Sie gerne tun.

Aus Studien belegte Wirksamkeit haben z. B. die folgenden Dinge:

  • Bewegung reduziert nachweislich die Stresshormone, daher hilft regelmäßiger Sport
  • oder machen Sie regelmäßig einen Spaziergang, am besten im Grünen. 20 Minuten nach der Mittagspause reichen schon. 2)
  • Dabei sorgt Tageslicht dafür, dass Sie abends besser einschlafen können.
  • Nehmen Sie sich Zeit für eine Tätigkeit, die Sie entspannt, z. B. nette Menschen treffen. Am besten im Kalender planen.
  • Atemtechniken helften, um akut Stress abzubauen, beispielsweise die 4-7-11-Atmung oder die 4-7-8-Methode. Anleitungen finden Sie beispielsweise hier 3)

Entscheidend dabei ist: Tun Sie es wirklich zur Entspannung, nicht im Wettkampfmodus. Nur so hat Ihr System die Möglichkeit, das Cortisol runterzufahren und den Motor abzukühlen.

 

Stress überlastet Sie? Ich helfe Ihnen, Warnsignale zu deuten und Gegenmaßnahmen umzusetzen. Sprechen Sie mich an.

 

 

Weitere Infos / Quellen:

1) Die Stress-Connection https://www.dasgehirn.info/krankheiten/stress/die-stress-connection

2) Schon 20 Minuten im Grünen senken das Stresslevel https://www.pharmazeutische-zeitung.de/schon-20-minuten-im-gruenen-senken-das-stresslevel/

3) Richtig atmen im Alltag - wie es deine Gesundheit beeinflusst https://www.swr3.de/aktuell/service/richtig-atmen-alltag-100.html