10 Schritte, wie Sie Ihren nächsten Strategieworkshop erfolgreich ruinieren
Eine nicht ganz ernst gemeinte Anleitung zum Scheitern
Neulich hatte ich an einer größeren Business-Veranstaltung teilgenommen, bei der ich am liebsten mittendrin aufgestanden und gegangen wäre. Es kam nichts dabei heraus, meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Die Moderation war schrecklich unorganisiert und gleichzeitig hatte sie die Stimmung im Publikum überhaupt nicht im Blick. Am Ende hatte ich mich geärgert, nicht gegangen zu sein – es war schlicht Zeitverschwendung.
Besonders ärgerlich wird es, wenn genau das in Board Meetings und Managementtagungen passiert: gut bezahlte Menschen, die wenig Zeit haben, sitzen zusammen und am Ende steht kein Ergebnis, das diesem Aufwand gerecht wird.
Niemand plant das bewusst so. Und trotzdem passiert es immer wieder. Und zwar, weil ein paar handwerkliche Fehler in Vorbereitung und Moderation notorisch unterschätzt werden.
Damit Ihnen solche Fehler nicht passieren: Hier die Anleitung wie man es nicht macht, mit einem Augenzwinkern.
10 Punkte, wie Sie Ihren Workshop konsequent zum Scheitern bringen
1. Verzichten Sie auf eine ordentliche Vorbereitung
Ihr Terminkalender ist voll genug, also nehmen Sie sich lieber keine Zeit zur Vorbereitung. Machen Sie ohnehin alles selbst, schlagen Sie alle gutgemeinten Hilfsangebote der Kollegen aus und vertrauen Sie darauf, dass Ihnen im Workshop schon die passenden Ideen einfallen werden.
2. Laden Sie möglichst viele Personen ein
Machen Sie sich keine großen Gedanken über den passenden Teilnehmerkreis – laden Sie lieber alle ein, die irgendetwas beitragen könnten. So kann Ihnen niemand vorwerfen, jemanden übersehen zu haben. Dass der inhaltliche Raum dadurch größer wird, die Diskussionen ausfransen und sich die Gruppe defokussiert – geschenkt.
3. Sparen Sie sich die Vorstellungsrunde
Bei so vielen Teilnehmenden lohnt es sich, Zeit zu sparen. Streichen Sie die Vorstellungsrunde, Sie kennen ja ohnehin alle. Informationen über die Teilnehmenden oder ein leichterer Gruppenprozess später - geschenkt.
4. Fragen Sie die Erwartungen nicht ab
Sie haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und einen guten Text in die Einladung geschrieben. Gehen Sie also einfach davon aus, dass alle mit demselben Wissensstand starten und dieselben Absichten haben wie Sie. Hinterfragen Sie die Erwartungen nicht. Verpassen Sie lieber die Chance, das Tagesziel zu schärfen und legen Sie damit ganz nebenbei den Grundstein für Demotivation im Teilnehmerkreis.
5. Klären Sie die Zielsetzung nicht vorab mit den einflussreichsten Personen im Raum
Verzichten Sie darauf, mit den ranghöchsten Gästen im Vorfeld die Zielsetzung abzustimmen. Riskieren Sie lieber, mit dem "Alphatier" coram publico lange Grundsatzdiskussionen über Ziele oder Methoden zu führen. Das erhöht immerhin den Unterhaltungsfaktor für den Rest des Publikums.
6. Bleiben Sie unklar: Geht es um Information oder um Zusammenarbeit?
Seien Sie sich selbst nicht ganz im Klaren darüber, ob Sie mit der Veranstaltung eigentlich nur informieren oder wirklich mit den Teilnehmenden zusammenarbeiten wollen. Tarnen Sie die Veranstaltung als Workshop, in dem am Ende doch nur einer redet: Sie. Oder wollen Sie wirklich den Input aller, dann verzichten Sie am besten darauf, methodisch dafür zu sorgen, dass auch tatsächlich alle zu Wort kommen und nicht nur die, die sowieso immer ihre Meinung kundtun. Beglückwünschen Sie sich im Nachgang zu so viel verschenkter Zeit.
7. Verzichten Sie auf präzise Fragestellungen
Formulieren Sie vorab keine konkreten Fragestellungen oder Arbeitsaufträge und definieren Sie zentrale Begriffe schon gar nicht. So bleibt das Mysterium, worum es eigentlich geht, die ganze Veranstaltung über bestehen. Auch wenn Qualität und Nachhaltigkeit eventuell auf der Strecke bleiben, so können Sie auf jeden Fall mit beeindruckend gut gefüllten Pinnwänden punkten.
8. Setzen Sie ungeleitet noch einen drauf
Ihr Programm ist durch, und es ist noch ein wenig Zeit übrig? Machen Sie einfach unvorbereitet weiter, denn es sind ja schließlich alle da. Lassen Sie die Gruppe am besten dann noch ungeleitet Fragen zum Vorgehen mit Fragen zum Inhalt mischen und sorgen damit für totale Verwirrung und Frustration ohne Ergebnis. Sie verlassen sich schließlich auf die Schwarmintelligenz der Gruppe. Wenn die Leute nichts zustande bringen, dann hat das nichts mit Ihnen zu tun.
9. Streichen Sie die Pausen
Dass Menschen biologische Organismen sind, deren Energielevel auch biologisch aufrechterhalten werden muss, haben Sie schon mal gehört. Aber Sie haben ja nun mal alle wichtigen Personen an einem Tisch, da muss jede Minute genutzt sein. Auch wenn die Köpfe rauchen, sich Diskussionen im Kreis drehen oder sich längst niemand mehr zu Wort meldet: Frischluft, einen Schluck Wasser und eine leere Blase ist nur was für Weicheier. Dass sich der Workshop innerlich schon längst aufgelöst hat, fällt zum Glück selten auf.
10. Kümmern Sie sich nicht um das "Danach"
Überlegen Sie sich möglichst wenig, was mit den Ergebnissen passieren soll. Vertrauen Sie einfach auf die Eigenmotivation der Teilnehmenden im Nachgang. Verzichten Sie auf Verbindlichkeit, indem Sie Maßnahmen ohne Verantwortliche und Termin lassen. Und verzichten Sie zum Schluss auch gleich auf ein Protokoll – dafür haben Sie ja sowieso keine Zeit (beginnen Sie wieder bei Punkt 1).
Spaß beiseite
Genau deshalb moderiere ich als erfahrene Beraterin Klausuren und Workshops für Geschäftsführer:innen und Leitungsteams. Nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil es einen Unterschied macht, ob man gleichzeitig moderiert und inhaltlich mitdenken bzw. mitdiskutieren muss. Führen Sie selbst durch Ihre Klausur, können Sie sich nicht wirklich auf die Inhalte konzentrieren. Mit einem passenden Setting und einer klaren Prozessführung von außen kommen Sie stattdessen zu guten und nachhaltigen Ergebnissen. Dabei können Sie sich ganz auf Ihre Sache konzentrieren.
Welchen dieser zehn Punkte haben Sie schon einmal live erlebt? Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen oder auf ein persönliches Gespräch, wenn Ihre nächste Klausur besser laufen soll als die letzte.